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47. Systemisches Kaffeehaus: Family matters. Ideal und Fragment zugleich

Familie ist der Ort, wo sich Frauen und Männer, Eltern und Kinder, junge Erwachsene und Alte treffen, miteinander leben, miteinander streiten. Niemand kann der Familie ausweichen, in wie unterschiedlichen Strukturen sie sich auch formiert. Durch die Herkunftsfamilie werden die Menschen in ihren Haltungen, Werten, Chancen massiv geprägt. Die eigenständig eingegangenen Beziehungen prägen Partner:innen, Kinder, wirken aber auch auf die Älteren und auf die Gesellschaft als Ganzes zurück.
(Reinhard Sieder: Geschiedene Eltern, verstörte Kinder – oder ein neues Familienleben. Wien 2012, 9)

Diese Kurzcharakteristik der Familie von Reinhard Sieder, Professor für Soziologie- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Wien, stimmt vermutlich – zumindest weitgehend – für alle Zeiten. Dennoch gibt es die Familie, im Sinn einer konstanten sozialen Größe, nicht. Jede Familie immer zugleich viele Familien – nicht nur Systemische Familientherapeut*innen wissen, wie unvergleichlich und unterschiedlich die Perspektive einzelner (Eltern, Kind/er, Geschwister, …) auf ‚ihre‘ Familie sein kann oder wie sehr sich Familien im Lebenszyklus verändern (müssen). Zugleich ist auch die Institution Familie entlang gesellschaftlicher Veränderungen von ständigen Wandlungs- und Umformungsprozessen gekennzeichnet. So begegnet heute nebeneinander eine große Familienvielfalt: Klein- und Großfamilien, Regenbogen-, Bonus- oder Stieffamilien, Einelternfamilien und patriarchal orientierte Familien mit und ohne internationaler (Hintergrund)Geschichte, erschöpfte, intensiv gefördert und unterstützte, traumatisierte Familien genauso wie Familien, in denen genetische, biologische und soziale Elternschaft zusammen- oder auseinanderfallen. Familien sind Orte und Räume von Nähe und Distanz, der Entwicklung und der Gewalt, von Kommunikation … Wie auch immer: Familie hat nicht nur existenzielle und individuelle Bedeutung, neben ihrer sozialisierenden Funktion, ist sie auch ein wirtschaftlich, politisch und rechtlich relevante Phänomen. Wie ein Magnet scheint sie Ideal(isierungen) anzuziehen und bleibt – vielleicht auch gerade deshalb – immer ein Fragment.

Im Rahmen des 47. Systemischen Kaffeehauses wollen wir uns von der Familie herausfordern lassen und diese bunte Institution (wieder einmal) in den Mittelpunkt von Reflexion und Impulsen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Fragerichtungen stellen.

 

[Family Matters (engl. für Familienangelegenheiten, auch: Familie zählt/ist wichtig): US-amerikanische Sitcom der 1990er-Jahre; Titel einer Ausstellung im Wiener Dommuseum 2019/2020]

 

Weitere Details folgen.

Weitere Termine

Datum

1. Dezember 2022

Uhrzeit

9:00 - 17:00

Veranstaltungsort

la:sf
Trauttmansdorffgasse 3A, 1130 Wien

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