fg:st – Systemisches Kaffeehaus Linz: Wie ist es, eine Fledermaus zu sein oder ein Gefängnisinsasse?

Wie ist es, eine Fledermaus zu sein oder ein Gefängnisinsasse?
Lebenswelten als mögliche Metakontexte des Verstehens in der Psychotherapie

 

Unsere Lebenswelt ist uns selbstverständlich – die übliche eben. Sie gilt für die meisten anderen um uns herum auch. Deswegen kann sie als Grundlage unseres üblichen therapeutischen Vorgehens dienen, indem wir implizit annehmen, dass wir die Zukunft in gewissem Rahmen planen können und eine moderate Bewegungsfreiheit besitzen. Nur vor diesem Hintergrund sind allgemeinen Fragen nach einem Anliegen oder einem Ziel überhaupt sinnvoll – im Gegensatz zum Häftling, dessen Lebenswelt spezifisch anders ist.

Lebenswelten sind so etwas wie „Metakontexte“. Sie umfassen alles, was wahrnehmbar und spürbar ist: Zeit, Raum, Grenzen, Körperorganisation, Versorgung, Sicherheit, Mobilität etc. Sie sind zunächst nicht als solche wahrnehmbar, da sie umfassend, sinnlich und für uns selbstverständlich sind. Wir sind „in“ ihnen, bedienen uns ihrer nicht, (be)nützen sie nicht bewusst. Sie sind kein Ergebnis von Einigung, sie werden erfahren; man kann sie nicht einfach ändern, aber immerhin erforschen.

Sie sind auch nicht einfach äußere Bedingungen, die uns beeinflussen; sie umfassen ebenso unsere jeweiligen „Antworten“, sind nicht davon zu trennen.

Die bewusste Wahrnehmung von Lebenswelt(en) – von Selbstverständlichkeiten und dem „Normalen“ ebenso wie von Irritation, Fremdheit oder Andersheit – erweitert und bereichert im psychotherapeutischen Gespräch den Möglichkeitsraum des Verstehens und kommunikativen Handelns. So könnte die Konzeptualisierung und bewusste Wahrnehmung von Lebenswelten auch als systemtherapeutische Alternative zu zunehmender Diagnostizierung und Pathologisierung angesichts neuer Formen von Fremdheit verstanden und damit anders beantwortet werden.

Dieses große Thema ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken, ihm Zeit und Raum zu geben, sich in dieses Denken einzufinden und es zu erproben, soll an diesem Tag ermöglicht werden.


Programm:

Helmut de Waal
Wie ist es, eine Fledermaus zu sein oder ein Gefängnisinsasse?
Lebenswelten als mögliche Metakontexte des Verstehens in der Psychotherapie

Christian Zniva
Wer hat an der Uhr gedreht?
Zeitlichkeit als Lebenswelt im Kontext von Psychotherapie

Nicole Veratschnig
Vom Begleiten durch und Berührtsein von Lebenswelten im Kontext Psychotherapie.
Überlegungen zum „Gemeinsam Menschsein“

Werner Eder
Kein Fehler – nur ein anderes Betriebssystem.
Lebenswelten mit Behinderung zwischen Freiheit, Alltag und Zwang


Flyer SKH Linz

Teilnahmegebühr: € 87,-
Ermäßigung für Student:innen: € 45,-
Eine Rechnung wird per e-Mail zugeschickt.

Anmeldung unter: office@fgst.at

 

Weitere Termine

Datum

24. März 2026

Uhrzeit

9:00 - 16:00

Veranstaltungsort

Bischöfliches Priesterseminar
4020 Linz, Harrachstraße 7

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